Im Lotsendienst
Über vierzig Jahre lang – von 1883 bis 1924 – ist der Lotsenschoner No. 5 ELBE im Dienst der Stadt Hamburg in der Elbmündung im Einsatz.
Die Besatzung auf den Lotsenschonern besteht damals meist aus fünf Mann:
Kapitän, Koch und drei Matrosen.
Die für die Besetzung der Schiffe bestimmten Lotsen gingen Wache, halfen bei den Segelmanövern und beim Ein- und Aussetzen der Boote, bis sie versetzt, also an die einkommenden Schiffe abgegeben wurden.
Herbert Karting, Autor mehrerer Bücher über deutsche Schoner und langjähriges Mitglied im Verein „Freunde des Lotsenschoners No. 5 ELBE“ beschreibt den typischen Aufbau der hölzernen Lotsenschoner so:
„Der Vorsteven stand wie bei den Loggern und Kuttern meist senkrecht auf dem Kiel. […] Das Heck war leicht überhängend und rund, […] gesteuert wurde mit einer Pinne. Das in kräftigem Sprung gehaltene Deck war in voller Länge durch eine feste Reling geschützt. Hier standen beidseitig unter eisernen Schwingdavits die Versetzboote.
Das gesamte glatte Deck war frei von störenden Aufbauten, abgesehen von kleineren Niedergängen und Oberlichtern. Sie bestanden vollständig aus Eichenholz erster Qualität, waren mit Kupferbolzen verzimmert und unter Wasser mit Kupfer beschlagen. Unter Deck war mittschiffs für die Lotsen eine größere Kajüte mit dem entsprechenden Niedergang zum Deck eingerichtet
Achtern befanden sich die Kammer des Schiffers und die Segellast. Vor der Lotsenkajüte lagen das Mannschaftslogis und davor die Kombüse mit einem zweiten Niedergang.“
Wochenlang und nur unter Segeln ist die Lotsenschoner-Besatzung damals in der Elbmündung im Einsatz – auf der rauen Nordsee Wind und Wetter ausgesetzt. Im Ruderboot werden die Lotsen in der Elbmündung zu den einlaufenden Schiffen gebracht oder von einlaufenden Schiffen geholt.
Nach dem Ersten Weltkrieg geht die Zeit der Lotsenschoner allmählich zu Ende.
Modernere Lotsendampfer lösen die Segelschiffe ab.

© Stiftung Hamburg Maritim
Im Jahr 1924 wird No. 5 ELBE ausgemustert, nach über 40 Jahren endet der Einsatz im Dienst der Stadt Hamburg. Als robuste Schiffe mit hervorragenden Segeleigenschaften aber genießen die Lotsenschoner einen hervorragenden Ruf.
Und so ist auch die Geschichte von No. 5 ELBE noch längst nicht zu Ende.
Ein Artikel in der Zeitschrift „Yacht“ aus dem Jahr 1917 gibt einen Eindruck vom Alltag an Bord:
„Da plötzlich erschallt der Ruf von vorne „Dor is he, dor is he!“ und richtig, da schimmert ein Schiffsrumpf in kaum zwei Schiffslängen-Abstand durch den Nebel hindurch. […]
Mit in seinem eigensten Interesse zur höchsten Kraftleistung angespannter Stimme ruft der Lotse hinüber: „Wollen Sie einen Hamburger Lotsen haben?!
„Do you want a pilot? A pilot for Hamburg?“ Da hallt es aus dem Nebel zurück: „Jawoll, kommt man über!“ […]
Nun gilt’s, auf dem Schoner keine Zeit zu verlieren. „In de B-o-o-o-t“ hallt es mit Donnerstimme den Niedergang hinunter und ruft die Freiwache an Deck, der Schoner halst inzwischen und segelt dem vorübergeschossenen Dampfer nach, der dampfablassend in einiger Entfernung treibt. Bald ist das Versetzboot zu Wasser und stösst vom Schoner ab.“