Aus ELBE wird WANDERVOGEL
Die Zeit, in der der Lotsenschoner No. 5 ELBE unter dem Namen WANDERVOGEL segelt, ist nur eine kurze Episode in seiner langen Geschichte. Sie führt aber dazu, dass das Schiff später in den USA als WANDER BIRD berühmt wird.
1924 ist Schluss: Nach über vierzig Jahren im Lotsendienst endet die Dienstzeit des Lotsenschoners No. 5 ELBE. Das Schiff wird ausgemustert.
Der Schoner geht zunächst in das Eigentum des Cuxhavener Segelmachers und Taklers A. Rickmers über.
Die Segelmacherei Rickmers hat in den 1920er Jahren mehrere ausgemusterte Staatsfahrzeuge billig übernommen und dann weiterverkauft. (Quelle: Joachim Kaiser: Gutachten über den Denkmalwert des Lotsenschoners No. 5 ELBE)
So auch im Fall des Lotsenschoners: Am 23. April 1926 wird das Schiff für 9000 Reichsmark verkauft. Am 12. Mai 1927 beantragen die neuen Eigner, der Kaufmann Richard Martin Kurt Müller und der Buchhalter Karl Svensen, vorm Notar die Namensänderung in WANDERVOGEL.


Die Namensänderung lässt vermuten, dass die neuen Eigner der Wandervogel-Bewegung nahe standen. Diese Wandervogel Bewegung wurde 1896 in Steglitz bei Berlin gegründet. Propagiert wurde unter anderem das Wandern von Jugendgruppen in der freien Natur.
Ob der Schoner unter dem Namen WANDERVOGEL damals tatsächlich als eine Art schwimmendes Vereinshaus gedient hat, lässt sich heute nicht mehr sagen.
Im „Archiv der Deutschen Jugendbewegung“ auf Burg Ludwigstein in Hessen sind einige Fotos des Lotsenschoners aus dem Jahr 1927 erhalten. Auf den Bildern sieht man zum einen das Schiff unter Segeln, aber auch verschiedene Szenen mit Menschen an Deck.


Lange bleibt der Lotsenschoner nicht im Besitz der Jugendbewegung. Anfang 1928 entgeht das Schiff offenbar nur knapp einer Zwangsversteigerung, die Eigner sind zahlungsunfähig.
Im Mai 1929 wird das Schiff an den Amerikaner Warwick M. Tompkins verkauft. Damit beginnt ein weiterer, spannender Abschnitt in der langjährigen Geschichte des Lotsenschoners No. 5 ELBE.